Der blaugestiefelte Schleimkopf, wie man die Schleiereule auch noch nennt, ist ein wärmeliebender Pilz, der in Süddeutschland
nur sehr selten zu finden ist, im Norden Deutschlands fehlt er ganz.
Sie wächst mehr im Gebirge, in feuchten Laubwäldern auf kalkhaltigen Böden, besonders häufig bei Buchen, seltener in Einzelexemplaren,
sondern meistens gesellig, manchmal sogar in größeren Hexenringen. Diese essbaren und sehr wohlschmeckenden Pilze werden in Frankreich
und in der Schweiz gerne gesammelt und dort auch am Markt verkauft.
Die Schleiereule ist ein sehr schöner Pilz, die robusten und kompakten Fruchtkörper können einen Hutdurchmesser bis ca. 20 cm
erreichen, damit gehört sie zu den größten Vertretern der sehr umfangreichen Gattung der Haarschleierlinge, zu ihr zählen über 700
Arten allein in Mitteleuropa.
Die Huthaut der Schleiereule ist erst braunviolett bis violett gefärbt und mit einem feinen, silbrigweißen bis leicht bläulichem,
seidig glänzendem Velum überzogen. Beim Aufschirmen des Hutes zerreißt es, flockige Velumreste bleiben auf dem schokoladen- bis
purpurbraun oder violettbraunem Hut zurück. Im Alter ist der Hut meistens mehr rost- bis haselbraun gefärbt, häufig mit einem
silbrig-violettlichem Schimmer darüber. Er ist erst kugelig bis halbkugelig, wird bald konvex und im Alter flach. Der lange Zeit
heruntergebogene Hutrand ist jung mit Velumresten behangen, später sieht man die deutliche runzelig-rippige Riefung.
Bei jungen Schleiereulen spannt sich - wie bei allen Schleierlingen - zwischen Hutrand und Stiel ein spinnwebartig zarter Schleier
(die so genannte Cortina), der weißlich oder schwach violettlich ist, er schützt die jung hellbeige bis blassvioletten, beim reifen
Pilz hellbraun bis rostbraun gefärbten Lamellen.
Der kräftige Stiel ist an seiner Basis meist keulig-knollig oder zwiebelförmig, hat aber keine gerandete Knolle.
Jung ist er an der Oberfläche dicht überzogen mit einem wollig-fädigen, bläulich- bis violettweißen, seidig-silbrig
schimmernden Velum. Wenn der Pilz wächst und sich streckt, reißt es auf und bildet eine bis mehrere, weißlich bis hellocker
oder violettliche Gürtelzonen. Die an der Stielspitze haftenden Reste der Cortina werden bald durch die reifen, abgeworfenen
Sporen rostbraun gefärbt.
Der Geruch des blaugestiefelten Schleimkopfes ist angenehm, das milde Fleisch weißlich bis blass cremefarben und im Stiel
manchmal leicht bläulich.
Obwohl die Schleiereule zu den wohlschmeckendsten Speisepilzen zählt, sollte man sie aus verschiedenen Gründen trotzdem nicht
für Speisezwecke sammeln. Einige davon sind: Ihr wird nachgesagt, dass sie stark mit Schwermetallen belastet ist. Schleierlinge
sind meist nicht leicht zu bestimmen (manche sagen, dass man sie deshalb Schleierlinge nennt, weil sie uns oft so schleierhaft sind),
nur sehr wenige Schleierlinge gelten als essbar, bei den meisten ist der Speisewert noch unbekannt.
Von einigen - z.B. Cortinarius speciosissimus, dem Spitzgebuckelten Rauhkopf, der sich bei uns immer mehr ausbreitet
und der besonders heimtückisch ist, weil sich seine gefährliche Giftigkeit erst nach längerer Zeit, manchmal erst nach
10 bis 14 Tagen, zeigt - weiß man, dass sie tödlich giftig sind. Viele Schleierlinge sind sehr schön, die meisten Schleierlinge
gehören eher zu den seltenen Pilzen. Deshalb sollten sie, wie alle anderen seltenen Pilze, genauso geschützt und geschont werden
wie seltene Pflanzen, z. B. die Orchideen. Häufig leben sie in einer engen Lebensgemeinschaft (Symbiose) mit Bäumen und leiden
ebenso wie diese unter den oft für sie nachteiligen Veränderungen ihres Lebensraumes.
Falls Sie das große Glück haben und Fruchtkörper der Schleiereule entdecken, bitten wir Sie darum, dies einem unserer
Pilzberater mitzuteilen. Zu unseren Aufgabengebieten gehört u.a. auch die Kartierung der Pilze, wir können dann den Fund
in die Kartierungslisten mit aufnehmen, vielen Dank im voraus.
Text: Ursula Hirschmann
Foto: Fritz Hirschmann
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