In Deutschland ist der Grüne Knollenblätterpilz weit verbreitet. Die Fruchtkörper findet man meist ab Juli bis Oktober, nach ergiebigen Regenfällen
oft in großer Anzahl.
Als Mykorrhizapartner wächst er besonders unter Eichen und Buchen, manchmal auch unter anderen Laubbäumen, sehr selten unter Fichte. Man findet ihn in Laub- und Mischwäldern, aber auch in Parkanlagen oder unter einzeln stehenden Bäumen. Mit ihnen bildet er eine Symbiose, eine Lebensgemeinschaft. Dabei bekommen die Bäume durch ihn Wasser und darin gelöste Mineralstoffe,
während er von ihnen zuckerähnliche Stoffe erhält.
Mehr als 90% der tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen werden durch den Genuss von Grünen Knollenblätterpilzen
verursacht. Er enthält hitzestabile, tödliche Lebergifte (Amatoxine).
Die tödliche Giftmenge ist je nach Toxingehalt in 5 – 50 g Frischpilz enthalten, für Kinder sind bereits geringere Mengen sehr gefährlich.
Durch die lange Latenzzeit – meist 8 bis 12 Stunden, manchmal noch länger - zeigen sich die ersten Vergiftungserscheinungen mit heftigen Brechdurchfällen und
Bauchschmerzen erst verhältnismäßig spät. Häufig tritt nach etwa 24 Stunden eine scheinbare Erholungsphase ein, sie ist kein Grund zur Entwarnung, die Schädigung der Leber kann
trotzdem unbemerkt weiter fortschreiten. Der schwere Leberschaden zeigt sich dann immer deutlicher, Gelbsucht, Blutgerinnungsstörungen und lebensgefährliche innere Blutungen können
auftreten. Es kann zu weiteren Komplikationen kommen, Multiorganversagen ist möglich.
Unbehandelt oder zu spät behandelt tritt der Tod meist nach ca. 8 Tagen ein.
Junge Fruchtkörper des Grünen Knollenblätterpilzes, Amanita phalloides, sind von der ziemlich glatten, weißen Gesamthülle (Velum universale) ganz umschlossen, sie werden von leichtsinnigen Pilzsammlern manchmal mit Stäublingen, z. B. dem jung essbaren Flaschenstäubling, Lycoperdon perlatum ,
verwechselt.
Aber der Kopfteil des Flaschenstäublings ist mit weißlichen, kegelförmigen, leicht abwischbaren Stacheln besetzt.
Wenn man den Fruchtkörper durchschneidet, sieht man bei dem jungen Grünen Knollenblätterpilz bereits deutlich, dass
er einen Hut und Stiel besitzt, kann schon die kleinen Lamellen erkennen. Während beim jungen Flaschenstäubling, der
zu den Bauchpilzen gehört, im Inneren die weiße Fruchtschicht im Kopfteil und das weiße Fleisch im sterilen Stielteil
nicht unterteilt sind.
Durch die Reife der Sporen verfärbt sich die Fruchtschicht gelbbräunlich, später braun und zerfällt dann staubartig.
Grüne Knollenblätterpilze werden auch immer wieder mit Champignons, z B. Wiesenchampignons, Agaricus campestris , verwechselt. Aber Wiesenchampignons haben nie rein weiße Lamellen, selbst bei sehr jungen Fruchtkörpern ist die Lamellenfarbe bereits blass rosa, später färben die Lamellen nach purpurbraun bis dunkelbraun um. Bei Grünen und Weißen Knollenblätterpilzen sind die Lamellen auch im Alter noch
weißlich.
Alle Champignons haben niemals eine von einer lappigen Scheide umhüllte, knollige Stielbasis, wie wir sie bei Grünen und Weißen Knollenblätterpilzen kennen.
Um die wichtigen Merkmale an der Stielbasis immer gut zu sehen, sollte man alle Pilze aus den Gattungen der Champignons und Knollenblätterpilze beim Ernten niemals abschneiden.
Werden die unterschiedlichen Merkmale genau beachtet, sollte eine Verwechslung eigentlich unmöglich sein.
Im Zweifelsfall lässt man Pilze,
deren Merkmale man nicht zu 100% kennt und am Fruchtkörper deutlich erkennt und
von denen man nicht absolut sicher weiß, dass es sich um Pilze handelt, die als Speisepilze bekannt sind
immer stehen – oder
geht damit zu einer Pilzberatungsstelle.
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Grüner Knollenblätterpilz, Amanita phalloides , der junge Fruchtkörper ist noch von der weißen Gesamthülle umschlossen
Beim jungen, zerschnittenen Grünen Knollenblätterpilz, Amanita phalloides, kann man deutlich Hut, Lamellen und Stiel erkennen
Junge Flaschenstäublinge, Lycoperdon perlatum ,
sind im Inneren weiß, keine Unterteilung in Kopf- und Stielbereich, die Fruchtkörper sind mit weißlichen, abwischbaren Stacheln besetzt
Bei reifen Flaschenstäublingen, Lycoperdon perlatum, verändert sich die Farbe der Fruchtschicht,
der sterile Teil bleibt weiß.
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Im Vergleich:
links oben: Der Wiesenchampignon hat deutlich rosa gefärbte Lamellen
links unten: Der Grüne Knollenblätterpilz mit weißen Lamellen und einer knolligen, in einer lappigen Scheide steckenden Stielbasis
rechts: Junger Anischampignon, Agaricus arvensis , die Lamellen sind im Vergleich zum weißen Hutfleisch deutlich gefärbt
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Reife Champignons mit braun gefärbten Lamellen
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Text: | Ursula Hirschmann |
Fotos: | Fritz und Ursula Hirschmann, Claudia Menth
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Literatur: | Guthmann, Hahn, Reichel „Taschenlexikon der Pilze Deutschlands“
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Zum Pilz des Jahres: 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005
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